Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Karriere & Erfolg » Zeitmanagement & Organisation » Mythos ständige Erreichbarkeit:
Abwesenheit als neues Statussymbol?

mehr zeit für beratung

In unserer Gesellschaft gilt es als schick, ständig erreichbar zu sein – weil es die eigene Wichtigkeit betont. Was aber, wenn Unerreichbarkeit plötzlich zum seltenen Luxus wird – und damit zum Statussymbol? Ein Paradigmenwechsel!

Noch schlimmer als ein überfülltes E-Mail-Postfach ist für viele Menschen eines, in dem gähnende Leere herrscht. Denn das bedeutet ja, um Himmels Willen, das wir völlig unbedeutend sind und uns keiner braucht!

Mit dem Handy die eigene Wichtigkeit betonen!

Und vielleicht ist dadurch sogar der Job in Gefahr und die Existenz bedroht? Eine Horrorvorstellung! Kein Wunder also, dass wir immer wieder auf Menschen stoßen, die lautstark am Flughafen oder im Zug mit dem Handy die eigene Wichtigkeit betonen.

Jeder vierte Mobilfunknutzer hat sogar schon einmal ein Handy-Gespräch simuliert, um vor anderen besser dazustehen. Denn wer sich stets dauergestresst gibt, will vor allem eines sugerieren:  Ich werde von Chefs, Kollegen, Bekannten, Freunden, Familie usw. gebraucht. Ich bin wichtig. Ich werde geschätzt, respektiert – und geliebt!

Abwesenheit als Statussymbol

Wer hingegen klug ist, steigert mit gelegentlichen Phasen der Unerreichbarkeit sein Ansehen. Denn wenn alle jederzeit erreichbar sind, wird es zum seltenen Luxus, nicht ständig antworten zu müssen. Und wer sich den Luxus der kommunikativen Abwesenheit gestattet, zeigt damit: „Seht her, ich kann es mir leisten!“

Abwesenheit als Statussymbol. Ein Beispiel: Wer heute als Manager seine Führungsqualitäten unter Beweis stellen will, fährt 10 Wochen in Urlaub – und ist einfach nicht erreichbar! Abgesehen davon, dass das seiner eigenen Gesundheit und Leistungsfähigkeit zuträglich ist, zeigt er damit noch etwas ganz anderes:

Wenn Sie ans Telefon gehen: Geld weg!

Dass er seinen Job versteht, weil er den Laden so gut organisiert hat, dass es auch ohne ihn geht, während er nicht nur entspannt, sondern auch gute Ideen für die Zukunft ausbrütet. Wohingegen einem Manager, der dauergestresst ständig abrufbereit ist, keine Zeit mehr für seine eigentliche Führungsaufgabe und innovatives Denken bleibt.

Der Harvard-Business-Manager empfiehlt als Abschreckungsmaßnahme sogar: „Jedes Mal wenn ein Manager in dieser Zeit sein Büro anruft, sollte sein Jahresendbonus um 20 Prozent reduziert werden. Jedes Mal wenn ein Mitarbeiter den Manager anrufen muss, würden diesem 10 Prozent seines Bonus abgezogen.“1

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

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