Nur der Grund dafür scheint vielen nicht klar zu sein: Jeder gute Text will eine Message verkaufen. Auch jeder Mensch, der etwas erreichen möchte, will eine Message verkaufen. Das Problem ist nur: Die Message verkauft sich besser, wenn der Inhalt glaubhaft ist.
Das hier soll übrigens kein Lamentieren über potentielle Interviewpartner werden: Eher geht es mir darum, klar zu machen, wie wichtig es für das eigene persönliches Standing im Job, im Web 2.0, in den Medien, ja überhaupt ist, zu seiner Meinung und Überzeugung zu stehen.
In den Medien führt das gelegentlich zu der etwas absurden Praxis, des Expertentums, deren Sinn man gerne diskutieren kann: Die Experten sollen hier die Glaubhaftigkeit und das Vertrauen vermitteln, das viele Medien offenbar selbst nicht glauben zu haben: www.stefan-niggemeier.de/blog/falsche-experten-mit-echten-zitaten/#comment-126891
Ohne Mut geht es nicht
Denn jeder, der etwas erreichen will, schafft das m.E. nur auf eine Art: Indem er authentisch bleibt, so dass andere ihm vertrauen, seinen Worten glauben schenken – und ihm folgen. Authenzität ist für mich, nicht nur im Web 2.0, letztendlich der Schlüssel zu einer erfolgreichen Selbstvermarktung.
Daher hängt für mich Erfolg, ganz gleich wie der aussehen soll, auch von Mut und Risikofreude ab, nämlich dem Mut, zu seiner eigenen, unbequemen Meinung auch zu stehen. Da helfen dann auch keine Selbstvermarktungs- und Rhetoriktrainings mehr weiter, wenn es hinter der Fassade nicht stimmt.
Immer schön authentisch bleiben
Denn die Glaubwürdigkeit kommt daher, dass die betreffende Person bereit ist, die Verantwortung für ihr Tun und ihre Aussagen zu übernehmen und sich im Bedarfsfall nicht feige verkriecht. Daher ist z.B. auch das eigene Foto im Social Web wichtig!
Und genau deshalb ist es z.B. wichtig, im Internet mit dem eigenen Namen unterwegs zu sein: Um den eigenen Aussagen Kraft und Glaubwürdigkeit zu verleihen.
Ein Beispiel
Beispiel gefällig? Auf meinem Blog wurde in letzter Zeit das Thema Fachkräftemangel heftig diskutiert. Und es ist wie häufig bei solchen Diskussionen: Es wird kräftig gemeckert – aber alles im Schutz der vermeintlichen Anonymität des Internets.
Manche Aussagen waren gut und wichtig – aber wer nicht bereit ist, das Thema auch offen anzusprechen, wird nichts erreichen. Denn nur auf die Misstände aufmerksam zu machen reicht m.E. nicht aus: Um eine Diskussionsbereitschaft zu erzeugen, muß man auch wissen, wer hinter einer Aussage steht und wie er zu seiner Meinung kommt.
Nur dann wird eine Meinung überhaupt beachtet. Oder?
15. April 2010 um 16:22 Uhr
…aber auch das Thema “authentisch” wird oft übertrieben. Was es braucht ist ein stimmes Auftreten bzw. stimmige Inzenierung. Und gerade Inszenierung hat auch die Rollenbilder / -erwartungen der Mitarbeiter, Kollegen oder des Publikums im Blick.
Denn wer hoch persönlich authentisch und “ehrlich” daher kommt, wird von seinem professionellen Umfeld schnell als “zu nah” und “zu privat” empfunden. Ich denke, es braucht ein professionelles Auftreten, dass durch das “Waage halten” zwischen Authentizität und Rollenausübung weder angepasst noch zu privat daherkommt: eine stimmige Inszenierung eben….
19. April 2010 um 10:09 Uhr
Hallo Herr Hinz,
danke für Ihren wirklich interessanten Kommentar. Ja und nein: Sicherlich ist es ziemlich übertrieben, unter Authenzität zu verstehen, gleich seine gesamten Emotionen herauszuposaunen, da haben sie schon recht.
Aber wer macht das schon? Die meisten Leute spielen ohnehin schon eine Rolle, so mein Eindruck. Außerdem wirkt inszenierte Authenzität, das durfte ich die letzten Tage eindrücklich beobachten, wirklich albern, wenn man sie durchschaut.