Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Karriere & Erfolg » Perfektionismus & Psychologie » Wohin Karrieregeilheit führen kann:
Der Preis des Erfolgs?

Schon länger klagt Susanne über alles und jeden. Keiner mache seinen Job richtig und ohne sie liefe sowieso nichts, bekundet sie ständig. Sie selbst reiße sich unentwegt den A… auf, während die anderen in ihren Augen versagen. Was passiert aber, wenn Vorgesetzte und Kollegen dieses Verhalten ignorieren?

Hoffentlich nicht so etwas wie oben auf dem Video: Dass sie nämlich völlig ausrastet! Eigentlich müsste Susanne nämlich schon viel früher die Notbremse ziehen. Nämlich dahingehend, dass sie sich die Frage stellt: Kann es sein, dass ich mich selbst und meine Leistungsfähigkeit selbst völlig überschätze?

Damit Sie das besser beurteilen können, lesen Sie die folgende Situation:

So geht es nicht weiter!

Susanne regt sich schon wieder furchtbar auf. Diesmal über Lina, ihre Kollegin, denn man hat ihr die Urlaubsvertretung von Rosi gegeben. Allerdings versteht Lina Susannes Ärger gar nicht. Normalerweise reißt sich nämlich keiner darum.

Es bedeutet nur, mehr arbeiten zu müssen. Als sie Susanne fragt, warum sie so sauer sei, druckst diese zuerst. Dann platzt es aus ihr heraus: »Dann kann ich endlich beweisen, welche Fehler Rosi macht.« Lina starrt Susanne völlig entgeistert an. Das ist es also, was Susanne eigentlich erreichen will?

Jetzt geht sie eindeutig zu weit – findet Lina – und auch, dass es so nicht weitergehen kann.

Ehemann rebelliert – zu Recht?

Lina denkt über Susanne nach: Sie weiß, dass selbst ihr kleiner Sohn und ihr Ehemann nur noch die letzte Geige spielen. Susanne will immer nur arbeiten, arbeiten, arbeiten. Laufend hat sie sich um zusätzliche Aufgaben gerissen. Ihr Chef musste sie regelrecht bremsen.

Sie selbst hatte mehrfach zu Susanne gesagt, dass das auf Dauer bestimmt schief gehe, aber diese negierte es nur. Vorhin hörte sie Susanne klagen. Ihr Mann hätte endgültig die Schnute voll. Es soll gewaltig gekracht haben. Er möchte endlich seine Frau wieder haben und ihr Sohn seine Mutter.

In Susannes Haut möchte keiner stecken

Lina wird klar, in welch schwieriger Situation sich Susanne gerade befindet. Sie muss sich doch furchtbar mies fühlen. Wenn man immer rackert und rackert und sich für unersetzlich hält, sieht man selbst in der nicht erhaltenen Urlaubsvertretung seine Felle schwimmen.

Zusätzlich hat sie nun auch noch ihren Mann gegen sich. Wahrscheinlich spürt sie sogar, dass ihr schon längst alles zu viel geworden ist. Sie befindet sich in einer gewaltigen Zwickmühle, denn zugeben möchte sie das nicht.

Karrieregeil – um welchen Preis?

Es ist schon traurig, welch Ergebnis Karrieregeilheit haben kann. Zum Glück sprach Susannes Chef endlich Klartext. In gegenseitiger Absprache schraubten sie das Arbeitspensum auf ein vernünftiges Maß runter. Das war längst überfällig. Dass es erst so weit kommen musste, ist schade.

Reagieren wir oftmals zu spät oder inkonsequent? Zum einen wir selbst, wenn wir uns überfordern, zum anderen die eigenen Kollegen, die nur zuschauen oder nicht hartnäckig genug sind. Damit handeln alle genau, wie ein Chef – der es nicht erkennt oder nicht erkennen will – unverantwortlich.

Ihre Meinung ist gefragt

Ging es Ihnen oder Kollegen vielleicht schon ähnlich? Was geschah in diesem Fall? Halfen Kollegen oder der Chef? Wie sah die Lösung aus? Wie viele Chefs kennen Sie, die in solchen Situationen reagieren? Schreiben Sie einen Kommentar, auch bei Twitter oder Facebook!

Sylvana Pollehn
Autor: Sylvana Pollehn

Sylvana Pollehn ist mal kein Coach und kein Trainer. Ihre Karriere begann bei McDonald`s in der Küche. Heute ist sie Managerin und leitet erfolgreich ein Restaurant mit 40 Mitarbeitern. Ihr Anliegen: Menschen – aus Gastronomie, Handel und vielen anderen Branchen – ganz praxisnah Karrierestart und Arbeitsalltag zu erleichtern. Ihre Erfahrung hat sie in dem Buch Hier bin ich der Boss!: Gemeinsam zum Erfolg aufgeschrieben, das in Kürze erscheint. Dazu gibt es auch eine Facebook-Seite.

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Website: http://www.sylvana-pollehn.de/

4 Kommentare

  1. Solche übermotivierten Wei… äh Damen sind ja immer ein Traum. Das schlimmste das die Damen selten merken das sie allen auf den Keks gehen! Na ja, wenns Spaß macht… frohe Ostern!

  2. Simone Janson

    Naja, es sind ja nicht nur Damen – es gibt auch übermotivierte Herren, die anderen auf den Keks gehen ;-)

  3. @ Karloz: Auch Männer können in solch einer Schleife landen.

    Ein guter Chef wie im Beispiel ist eine wichtige Unterstützung, um die Balance wiederzufinden. Wer sich selbst unter Druck setzt, arbeitet zwar oft mehr, erreicht damit aber leider weniger. Besser: Pausen und Auszeiten gönnen. Sich Zeit zum Durchatmen geben. Das kann nicht jeder, und es geht auch nicht in allen Situationen, aber man kann es für sich selbst lernen. Und natürlich können Arbeitgeber das Arbeitsumfeld dementsprechend gestalten.

  4. Hallochen, danke für die ersten Meinungen.
    Lieber Karloz, ich denke, dass es auch genügend Männer gibt, die die Notbremse nicht ziehen. Ich kenne einige, die entweder im Burnout gelandet sind oder kurz davor stehen.
    So wie Tanja sehe ich die Situation auch. Es ist schwer und viele können es nicht, sich regelrecht zum Durchatmen zu zwingen. Wem nützt es aber, für eine gewisse Zeit überdimensionale Leistung zu erbringen und dann zusammenzubrechen. Es bereichert keine Firma und der Preis im Privaten kann enorm hoch sein.
    Als Managerin erwarte ich von meinen Mitarbeitern auch ständig Leistung, jedoch bremse ich mich selbst beim Delegieren von Aufgaben, wenn ich erkenne, dass mein Mitarbeiter dem momentan nicht gewachsen ist. Bisher hat das in meinen Augen positiv gewirkt, denn sie schaffen schnell wieder die erwarteten Aufgaben. Es geht ihnen langfristig gut, denn bis zur Rente ist es für uns alle eine lange Zeit.

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