Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Karriere & Erfolg » Kommunikation » Serie über Small Talk:
Das Feymann-Rezept – ehrliches Interesse statt Arroganz

Beim Small-Talk kommt es auf Interesse am Gegenüber an. Und Interesse kann ich für alles entwickeln (bitt nicht heucheln!), was gesagt wird – unabhängig vom Fachgebiet. Gerade der Nobelpreisträger Richard P. Feynman ist ein Paradebeispiel dafür.


Er war Physiker und seiner eigenen Meinung nach der größte Fachidiot auf Erden. Doch nach seinem Nobelpreis geriet er aufs gesellschaftliche Parkett der High Society: Blamage-Risiko! Er hatte keine Ahnung, warum der neue Bentley viel besser ist als der neue Rolls und warum man heutzutage unbedingt chinesische Kindermädchen braucht (wenn man mehr als fünf Millionen im Jahr verdient).

Er hätte sich also unsterblich blamieren können. Jeder hätte – mit Recht! – über ihn sagen können: „Typisch Physiker! Kennt nur seine Formeln aber nichts von der Welt!“ Doch innerhalb einer einzigen Ballsaison wurde Feynman der Liebling der High Society. Und wenn ein staubtrockener theoretischer Physiker das schafft, schafft es jede(r). Wie?

Das Feynman-Rezept

Feynman hatte keine Ahnung. Aber ein nahezu grenzenloses Interesse. Wenn eine Salonlöwin sich über die neue Beluga-Ernte echauffierte, war Feynmans erster Gedanke zwar auch jener jedes Small-Talk-Greenhorns: „Oh Gott! Wen interessiert schon Beluga! Ich bin Physiker! Ich weiß nicht mal, was Beluga ist!“ Doch sein zweiter Gedanke war: „Du verstehst das nicht? Dann lass dir das mal erklären!“ Und er sagte: „Entschuldigung: Weshalb taugt die neue Beluga-Ernte nicht viel?“

Der Aufschrei der feinen Damen war bis nach Anchorage zu hören. Der Aufschrei der Entzückung: Nichts kurbelt Small Talk schneller und effektiver an als eine ehrliche und interessierte Frage eines blutigen Laien. Denn einem blutigen Laien kann man/frau wahnsinnig viel erzählen! Sehr viel mehr als einem alten Hasen, der bei jedem zweiten Satz blasiert abwinkt: „Been there, done that!“

Machen Sie Ihren Gesprächspartner zum Experten

Jeder Experte bricht sich geradezu einen ab, um dem Laien eine Frage zu beantworten. Denn nichts profiliert ihn stärker als Experten! Nichts bringt ihm größere Anerkennung! Daher: Zeigen Sie Interesse! Stellen Sie Fragen! „Wie viele?“, werde ich manchmal gefragt. Die Antwort: Bis Sie es kapiert haben!

Nehmen wir an, die aktuelle Beluga-Ernte taugt nicht, weil der Stör-Rogen „zu körnig“ ausgefallen ist. Na? Bitte? Was fragen Sie? Natürlich: „Entschuldigen Sie meine Unwissenheit, aber was bedeutet ‚zu körnig’?“ Hören Sie den Aufschrei der Entzückung? Aber hallo! Moment mal! Heißt das etwa, dass ich beim Small Talk mitdenken muss?

Dr. Cornelia Topf
Autor: Dr. Cornelia Topf

Seit über zwanzig Jahren unterstützt Cornelia Topf als internationale Managementtrainerin und zertifizierter Businesscoach namhafte Unternehmen aller Größen und Branchen. Zu ihren Schwerpunkten gehören zielführende Kommunikation und erfolgsorientierte Körpersprache. Insbesondere die Förderung von Frauen liegt der promovierten Wirtschaftswissenschaftlerin am Herzen. Die Geschäftsführerin von „metatalk Kommunikation & Training“ in Augsburg ist Autorin vieler Fachbücher und Ratgeber, die in zahlreiche Sprachen übersetzt wurden. Darunter sind Titel wie "Erfolgreich verhandeln für Frauen", "Durchsetzungsfähigkeit für Frauen", "Das Führungsbuch für freche Frauen" oder "Präsentations-Torpedos entschärfen. So überleben Sie persönliche Angriffe, Pannen, dumme Zwischenfragen und andere Störfaktoren". Cornelia Topf ist zudem eine gefragte Expertin in den Medien.

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