Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Job- & Personalsuche » Bewerbung & Recruiting » Geschönte Angaben bei der Bewerbung:
Studie zeigt, wann Personaler misstrauisch werden

Die Versuchung für viele Bewerber ist groß, im Lebenslauf mal eben etwas zu übertreiben – z.B. perfekte Enlischkenntnisse anzugeben, wenn man sich nur radebrechend unterhalten kann oder den letzten Urlaub als im imposante Auslandserfahrung zu verkaufen. “Die merken das schon nicht” denken viele. Doch wie sieht die Wahrheit aus?

Sprache


Tatsache ist: Offenbar gehen die meisten Finance- und HR-Manager in Deutschland, Österreich und der Schweiz davon aus, dass die Angaben im Lebenslauf geschummelt sind. sagt zumindest die Studie Workplace Survey, für die Personaldienstleister Robert Half über 2.525 Personal- und Finanzprofis in 11 Ländern befragt hat.

Die Studie „Workplace Survey“ untersucht Karrieretrends und Entwicklungen in elf Ländern: Belgien, Brasilien, Deutschland, Dubai, Frankreich, Italien,
Luxemburg, Niederlande, Österreich, der Schweiz und der Tschechischen Republik. Die Befragung wurde im April und Mai 2011 von einem internationalen, unabhängigen Meinungsforschungsinstitut durchgeführt.

Skepsis bei Sprach- und Softwarekenntnissen

Insbesondere bei Sprach- und Softwarekenntnissen und den Gründen für den Jobwechsel sind Personalverantwortliche skeptisch. Auch wenn es um Managementfähigkeiten der Bewerber geht, sind Personalverantwortliche auf der Hut.

39 Prozent der deutschen, 40 Prozent der österreichischen und 36 Prozent der Schweizer Recruiter gehen davon aus, dass Bewerber im alten Job weniger Verantwortung inne hatten als sie behaupten.

Warum Jobwechsel?

Ebenso misstrauisch ist etwa die Hälfte der Finance- und HR-Manager in Österreich und ein Drittel in Deutschland und der Schweiz, wenn Kandidaten über die genauen Aufgaben der früheren Stelle erzählen.

Doch laut Angabe der Befragten sollten Bewerber den wahren Wechselgrund nicht verschleiern. Denn ein großes Augenmerk legen HR-Manager auf das Fachwissen und die Berufserfahrung eines Kandidaten.

Referenzen sind wichtig!

Daher nehemen viele Personalverantwortliche beim Studieren einer Bewerbung zunächst die berufliche Qualifikation eines Jobanwärters unter die Lupe (25 Prozent in Deutschland, 32 Prozent in Österreich und 30 Prozent der Schweiz) – und haken, wenn es sein muss, bei den Referenzen nach.

So erklärt Sven Hennige, Managing Director Central Europe von Robert Half International:

„Eine sehr gute Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit des Bewerbers zu evaluieren, sind Referenzen. Personalverantwortliche sollten diese im Vorfeld erfragen oder während des Bewerbungsgesprächs darum bitten. Hat der Kandidat nichts zu verbergen, stimmt er dem zu.“

Übersicht: Bei diesen Angaben im Lebenslauf sind Finance- und HR-Manager skeptisch

  • Sprachkenntnisse
  • Softwarekenntnisse
  • Verantwortung bei der Mitarbeiterführung
  • Gründe für den Jobwechsel
  • Genaue Aufgaben des letzten oder aktuellen Jobs

Mein Kommentar

Was ich mich allerdings beim Lesen dieser Ergebnisse frage: Wie viele Personaler haben tatsächlich die Zeit, die Angaben ihrer Bewerber gegenzuchecken und die Referenzen abzuklappern? Und bei wieviel Prozent der Bewerber wird das auch gemacht.

Und, wenn die Mehrzahl der Personaler von vornerein skeptisch ist, welche Chancen hat man dann noch mit einer ehrlichen Bewerbung – wenn man davon ausgehen muss, dass bei jeder Angabe, die man als Bewerber macht, schon von vornerein 50 % abgezogen werden.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

2 Kommentare

  1. Indeed! Ebenso aufgefallen. Angenommen, jede zweite Bewerbung ist irgendwie hingemogelt. Haben uns das neulich gefragt. Ehrlich sein ist wichtig. Aber ebenfalls von der anderen Seite des Schreibtisches betrachtet: Woher kommt dieser Gedanke einer “geraden Karriere” eigentlich, widerspricht er doch Erfahrung als auch Logik: karrieresi.ch/oBL8un

  2. Es mag sein, dass sich Ehrlichkeit heutzutage nicht mehr auszahlt. Manchmal ist es auch geschickter, die Dinge zu umschreiben. Eins darf man dabei aber nie vergessen: Man sieht sich im Leben oftmals zweimal. Eine Lüge dort und eine andere da – das geht nicht gut und darum empfehle ich – als Managerin – das auch nicht. Ich rate jedem Bewerber, sich genaue Gedanken darüber zu machen, was er dem Arbeitgeber sagen möchte. Viele Bewerber merken gar nicht, dass sie sich um Kopf und Kragen schreiben. Gut überlegt ist eben halb gewonnen und Vertrauen baut sich nicht durch Lügen auf – egal von welcher Seite.

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