
Auf FAZ-Net war letzte Woche von einem interessanten Experiment zu lesen: Fünf DaX-Unternehmen und zwei internationale Konzerne testen, darunter z.B. Procter & Gamble sowie LOréal, testen anonymisierte Bewerbungsverfahren – auf Betreiben Antidiskriminierungsstelle des Bundes.

Anonymes Bewerben: Theorie…
D.h. Bewerbungen werden zukünftig ohne Namen, Foto, Alter und Geschlecht eingereicht. Damit soll Diskriminierung z.B. auch wegen der Herkunft vermieden werden. Karriereexpertin Svenja Hofert findet die Idee gut und hat auch gleich einen besonders krassen Fall von Bewerberdiskriminierung parat.
Im Prinzip finde ich auch, dass das eine schöne Idee ist, so hätten endlich auch mal diejenigen eine Chance auf einen Job, die immer noch glauben, es kommt bei Bewerbungen auschließlich auf die Qualifikation und nicht auf ein aussagekräftiges Foto an. Zumindest in der Theorie.
…und Praxis
Die Realität sieht leider anders aus. Nicht ganz zu Unrecht werfen Kritiker wie Dr. Armin Trost, Professor für Personalmanagement in Furtwangen, werfen diesem Verfahren allerdings vor, dass die Diskriminierung dann spätestens beim Vorstellungsgespräch anfängt. Auch Daniela Krüger vom Bewerberblog findet:
“Klar, der Kandidat wird vielleicht eher zum Vorstellungsgespräch eingeladen, aber den Job hat er dann ja immer noch nicht.”
Die Toilettenbewerbung
Oder soll auch das Vorstellungsgespräch durch die geschlossene Tür erfolgen – z.B. auf der Toilette? Was jetzt klingt, wie ein blöder Witz, meinen manche Leute durchaus ernst: Burak Kaynak hat ein Bewerbungsformular entworfen, das man auf eine Toilettenrolle schreiben kann. Marcus Tandler hat diese lustige Idee entdeckt und gleich in gewohnt orgineller Weise kommentiert.
Recht hat er, durchsetzen wird sich das vermutlich nicht. Dennoch ist die Grundidee gar nicht mal so abgefahren und blödsinnig wie es auf den ersten Blick scheint: Das stille Örtchen ist im wahrsten Wortsinn vermutlich der einzige Ort, an dem vielbeschäftigte Personaler mal Zeit und – ganz wichtig – nichts zu tun haben. Im Gegenteil, meist starrt man doch dabei stur auf eine kahle Wand oder Tür. Strategisch wäre es also gar nicht so ungünstig, wenn der Ansprechpartner genau in diesem Augenblick die Bewerbungsunterlagen vor der Nase hätte.
Der beste stille Ort für Ihre Bewerbung
Es gibt ja schließlich auch Toilettenwerbung – warum also keine Toilettenbewerbung? Indes fände ich, es gäbe Orte, an denen die Bewerbung besser aufgehoben wäre als auf dem Toilettenpapier – da fällt es zwar auf, aber doch eher unangenehm, weil, naja, eigentlich sucht man in dem Moment ja was anderes….
Vielleicht gibt es irgendwann ja mal Displays, die in Klodeckel eingearbeitet sind oder an der Toilettentüre hängen – und die dann z.B. auch Bewerbungen anzeigen können? Vielleicht ist das aber auch der wirkliche Vorteil von mobílen Bewerbungsverfahren per Handy: Dass man diese überall hin mitnehmen kann und bei Langeweile auf der Toilette lesen kann?
Mobil bewerben – aber bitte einfach!
Davon abgesehen halte ich mobile Bewerbungsverfahren für den wirklich besten Trend, den ich seit langem gehört habe: Einfach Iphones aneinander schlagen, schon ist die Bewerbung versendet. Das Problem ist, dass die technischen Voraussetzungen in den Firmen einfach noch nicht ausreichend gegeben sind.
Dabei müssten, wie ich hier geschrieben habe, die mobilen Bewerbungsverfahren erheblich vereinfacht werden: Denn was nützt all das schöne Employer-Branding wenn Bewerber einen Aufwand von einem oder mehreren Arbeitstagen betreiben müssen. Sowas schreckt ab!
Vielmehr müssten bei dem Zeitdruck, dem Bewerber heute ausgesetzt sind, auch Bewerbungen schnell von Unterwegs, z.B. im Zug verfasst werden können. Mittlerweile hat auch der Harvard Business Manager diese Idee aufgegriffen und die Online-Verfahren verschiedener Großunternehmen wie Daimler oder BMW getestet. Ergebnis: Viel zu kompliziert. Herausgeworfenes Geld, so lange Bewerbungsverfahren derart umständlich ablaufen.
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