Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


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Leser-Verarsche und juristische Probleme mit Textlinks

Mit Textlinks können auch kleinere und mittlere Blogs einige hundert Euro im Monat verdienen. Allerdings birgt diese Methode einige rechtliche Probleme – z.B. wenn automatisiert ungekennzeichnete Postlinks in den Text eingefügt werden. Dagegen gibt es Gesetze – an die sich nur keiner hält.

juristische Probleme mit TextlinksLinklift und auch andere Textlink-Vermarkter bieten Postlinks an, bei denen einzelne Wörter eines Textes als Link zum Kunden gehyperlinkt werden. Bei Linklift läuft dieses automatisch über ein Plugin – das ist zwar praktisch, lässt aber keine Möglichkeit, diese Links auch als Werbung zu kennzeichnen!

Juristisch bedenklich!

Dies verstößt allerdings gegen das Telemediengesetz, gegen §5 um genau zu sein, das die Trennung von redaktionellen Inhalten und Werbung vorsieht, so dass Bloggern, die dies mitmachen, die Gefahr einer Abmahnung droht.

Und es verstößt gegen die Schwarze Liste im Gesetz gegen Unlauteren Wettbewerb, gegen Punkt 11 um genau zu sein, die es auch Unternehmen untersagt, redaktionelle Inhalte zu Werbezwecken zu buchen, die nicht eindeutig als Werbung gekennzeichnet sind. Dadurch droht auch den Kunden, die solche Textlinks buchen, eine Abmahnung.

Leserverarsche

Um das klar zu sagen: Nach meinen Erfahrungen juckt die meisten Vermarkter dieses Gesetzeslage wenig. Ich habe Linklift und später auch andere Unternehmen darauf aufmerksam gemacht, es interessiert sie einfach nicht.

Wahrscheinlich, weil es wegen dieser Gesetze weder bislang zu irgendwelchen bekannteren Abmahnunfällen  und schon gar nicht Gerichtsurteilen kam. Das Gesetzespapier ist eben geduldig, die Textlinks wird auch niemand so ohne weiteres finden. Das einzige, wovor Vermarkter sich wirklich fürchten, ist Google – deshalb wollen sie die Sachen nicht kennzeichnen – sagt zumindest Linklift. Doch wohl eher auch, weil damit der Wettbewerbsvorteil wegfiele.

Werbung eigenhändig kennzeichnen?

Die Vermarkter machen also nix. Daher muss jeder für sich entscheiden, wie er mit dieser Gesetzeslage umgeht. Ich persönlich habe die Postlinks mittels eines Plugins und eines speziellen Icons als Werbung gekennzeichnet.

Weil ich dem Gesetz folge leisten wollte, bekam ich allerdings mit Linklift erheblichen Ärger: Man kritisierte, dass die Textlinks so für Google viel schneller als gekaufte Links aufzufinden und abzustrafen seien (zu dieser Problematik im nächsten Post). Zwar ließ man mich eine Weile gwähren, machte mir jedoch im halbjährlichen Turnus wieder Ärger.

Ein kaum beachtetes Problem1

Ich habe mich schlußendlich von Linklift als Vermarkter getrennt und auf einige hundert Euro Werbeinanhmen im Monat verzichtet. Mich wundert, dass das Thema in der Bloggerszene bislang kaum thematisiert wurde.

Im Vorfeld der re:publica 2010 habe ich Marcus Beckedahl, der ja vielen als Vorbild des unkommerziellen Bloggens gilt, auf das Thema angesprochen, weil ich dachte, dass das eigentlich viele interessieren müsste – aber keine Antwort erhalten.

Wo es Geld gibt, wird nicht so genau hingeschaut?

Möglicherweise ist die rechtliche Grundlage dieses Problems vielen unbekannt. Ich habe auch nicht den Eindruck, dass Linklift sich besonders bemüht, seine Publisher, aber auch seine Kunden über diese Problematik aufzuklären.

Dass auch renommierte Unternehmen wie die Volkswagen-Bank mit solch unseriösen Methoden werben, die damals zumindest bei Linklift aktiv waren, erkläre ich mir nur so, dass die Entscheider beim Unternehmen die technischen Zusammenhänge unbekannt sind. Und da in solche Entscheidungsprozesse oft mehrere Vermarkter involviert sind, bis die Werbung auf dem Blog erscheint, sind sie am Ende fein raus. Aber vielleicht nehmen sie das geringe Risiko, erwischt zu werden, auch billigend in Kauf?

Peanuts?

Vielleicht finden die meisten aber auch, dass das einfach Peanuts sind, ein paar Euro durch Textlinks zu verdienen, selbst wenn es streng genommen ein wenig illegal ist.

Ich habe in letzter Zeit mit einigen Leuten darüber gesprochen: Vielen scheint schon klar zu sein, dass das irgendwie nicht gut ist, aber viele machen es irgendwie, weil gerade Postlinks als Werbung kaum auffallen, die Gefahr des Entdeckt-Werdens und der damit verbundenen juristischen Konsequenzen und der Rufschädigung also gering sind. Vielleicht schreibt daher niemand darüber – die Kuh, die man melkt, schlachtet man nicht?

Konsequenzen aus unseriöse Werbung für alle

Ich sehe das ein wenig anders: So lange Unternehmen für vergleichsweise wenig Geld unseriöse, aber effektive Werbung machen können – warum sollten Sie da vernünftiges Geld für seriöse, gekennzeichnete Werbung ausgeben?

Im Ergebnis wird sich an den momentan schlechten Preisen auf dem Werbemarkt auch weiterhin nichts ändern! Leserverarsche ist doch so viel praktischer!

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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