Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Berufsbild » Der Whale Watcher von New Brunswick (Kanada) – 1/2:
Flexibilät als Business-Strategie

Die Gezeiten in der Bay of Fundy in der kanadischen New Brunswick haben den höchsten Hub weltweit und sind unberechenbar – ungefähr so wie die Geschäfts-Strategie von David Welch: Fundy Tide Runners heißt sein Unternehmen, mit dem er Whale Watching für Touristen anbietet. Und der Name ist Programm!

david welch

Irgendwie hatte ich mir Whale Watching ruhig und beschaulich, ja vielleicht sogar ein wenig meditativ im Einklang mit der Natur vorgestellt. Aber weit gefehlt:

Eine abenteurliches Business-Modell?

Auf einem Zodiac-Schlauchboot im Nebel mit 12 Knoten übers Wasser zu heitzen, auf der Jagd nach dem nächsten Wal, der irgendwo in den Gewässern vor St. Andrews by-the-Sea auftaucht, um zu atmen, ist ziemlich abenteuerlich – und passt damit perfekt zu Dave.

Denn sein Business-Modell ist selbst die reinste Walbeobachtung: „Mutter Natur ist eine launische Gebieterin. Und sie hat eine Million Tricks auf Lager. Du kannst nur in der Theorie vermuten, was die Wale als nächstes tun – sicher sein kannst du nicht.”

Die Perfekte Einstellung für Unternehmer

Was er da beschreibt, klingt wie die perfekte Lebenseinstellung für einen Unternehmer: Klar kann man sich jede Menge Wissen aneignene und allerlei Strategien austüfteln. Wirklich sicher sein, was passiert, kann man nicht, weil der Markt unberechenbar ist.”

Dave macht daher daher das, was sowohl als Whale Watcher als auch als Unternehmer das Beste ist: Er reagiert Flexibel. Zum Beispiel in dem er mit seinem Zociac blitzschnell an eine andere Stelle rast, wenn dort über Funk ein Wal gemeldet wird.

Flexibilität als Wettbewerbsvorteil

In dieser Wendigkeit sieht Dave seinen großen Vorteil – in jeder Beziehung: Es gibt in St. Andrews noch weitere Anbieter für Walbeobachtung – u.a. mit Katameranen und Fischerbooten. Doch Dave, so sagt er, kann mit seinem Zodiac-Schlauchboot viel schneller auf Unvorhergesehenes reagieren.

U.a. auch, weil er dafür kaum Ausgaben hat: „Für einen Katameran etwa braucht man eine Besatzung, den Zodiac kann ich alleine steuern. Das kostet mich also wenig!“ erklärt er sein Business-Konzept.

Gründung aus dem Bauch heraus

Bevor Dave 1995 sein Unternehmen gründete, hat er einen guten Job bei der Regierung in der Hauptstadt Ottawa. Dann aber sah er in British Columbia in Kanadas Westen einen Whale Watcher mit einem schnellen und wendigen Zodiac-Schlauchboot und dachte spontan: „Thats me – das will ich auch!“

Dave gibt zu, dass ihn an der Idee vor allem das Boot angetörnt hat. In nur wenigen Stunden hatte er sich aus dem Bauch heraus entschlossen, seinen Job in Ottawa hinzuschmeißen. Fünf Tage später hat er gekündigt. Ohne Business-Plan und doppelten Boden.

No Risk, no Fun!

Auch der Unternehmensstandort war schnell gefunden: St. Andrews by the Sea war der Geburtsort von Daves Vater, viele Kontakte seien daher vorhanden gewesen. Seitdem tut Dave, was ihm Spaß macht: Er heizt mit einem Zodiac übers Wasser. Und das ziemlich erfolgreich: Mehrere Preise hat er bislang gewonnen.

Im Zweiten Teil des Artikels geht um Davids Lebensweg, seine Ausbildung und den Quereinstieg ins Whale Watching!

Sponsor: Die Recherche zu diesem Beitrag wurde ermöglicht durch die Canadian Tourism Commission, die Reisekosten und Unterkunft bezahlt haben. Danke!
Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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Website: http://www.simone-janson.de

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