Berufebilder by Simone Janson

Journalist, Bestseller-Autor, Experte für neues Arbeiten am Institut für Kommunikation in sozialen Medien, Gründer von Berufebilder.de.


Existenzgründung » Gesellschaft & Zukunft » Mein Essay bei changeX Genossenschaften als Rechtsform für das Internetzeitalter – Teil 4:
Nische & Kooperation statt Massenmarkt

Massenmarkt

Warum aber sind Genossenschaften wieder gefragt? Die Antwort: Unternehmen sind heute gezwungen, ihre Geschäftsstrategien zu überdenken: Bislang war aufgrund des hohen Produktionsaufwandes bei vergleichsweise geringer Reichweite Massenproduktion gefragt. Nun sind Nischenmärkte im Kommen – Kooperationen.

Bislang zielte die Marketingstrategie vieler Unternehmen vor allem darauf ab, möglichst viele Menschen anzulocken und die Massen zu kontrollieren. Dabei sehen sie sich viele Unternehmer als Nabel der Welt:

Selbstherliche Unternehmer machen Massenprodukte

Zu ihnen möge der Kunde doch bitte kommen, so er etwas kaufen will. Ungefähr derart selbstherrlich ist in Deutschland auch die Rechtsform der GmbH angelegt: Oben der Chef, und alle tun, was er sagt.

Die neue Wirtschaft funktioniert anders, wie der amerikanische Medienexperte Jeff Jarvis in seinem Buch am Beispiel von Google, einem der erfolgreichsten Unternehmen unserer Zeit, deutlich macht. Ein Beispiel, das sich ohne weiteres auch auf andere Unternehmen übertragen lässt.

Das Internet ist kein Massenmarkt

Jarvis’ These: Das Internet ist kein Massenmarkt, sondern ermöglicht – im Gegenteil – eine Masse von Märkten, weil es eine preiswerte, dezentrale Produktion erleichtert und einen zielgerichteten Vertrieb ermöglicht.

Auf diese Weise bietet das Web Raum für die Anbieter von Nischenprodukten, ganz egal, ob das jetzt seltene Klaviernoten, Maßkleider für Übergrößen oder spezielle Kaffeesorten sind. Dennoch erreichen die Hersteller nicht selten einen Weltmarkt mit Kunden aus allen Kontinenten, ganz einfach, weil ihnen eine gute Platzierung bei Google oft schon reicht, um permanent neue Kunden zu gewinnen.

Kooperation & Kommunikation schaffen Vertrauen

Entscheidend dabei ist allerdings die Vernetzung und Kommunikation mit aktiven wie auch potenziellen Kunden, aber auch mit Konkurrenten. Darauf basiert im Wesentlichen die ganze Werbestrategie: Da die Unternehmen kleine, überschaubare Zielgruppen haben, können sie diese viel genauer ansprechen. Z

um Beispiel über Fachmedien und bei Fachveranstaltungen, aber vor allem auch im direkten Dialog: Gerade weil der Nischenanbieter Spezialist auf seinem Gebiet ist, kann er maßgeschneiderte Leistung in sehr guter Qualität, mit überzeugendem Service und fachlich hervorragenden Know-how anbieten. Dadurch gewinnt er schnell das Vertrauen der Kunden in seine Kompetenz.

Kunden helfen Unternehmen

Und mehr noch: Die Kunden helfen dem Unternehmen auch, Produkte und Service zu optimieren, weil sie auf Fehler aufmerksam machen und Verbesserungsvorschläge einbringen. Ein System des offenen Austauschs und gesunden Miteinanders also, von dem alle profitieren.

Übrigens gilt das auch für die so genannten Konkurrenten: Denn wer sich durch spezialisierte Produkte oder Dienstleistungen von anderen absetzt, braucht Konkurrenz nicht zu fürchten, sondern kann mit Mitbewerbern kooperieren, um neue Kunden zu gewinnen oder gemeinsam zu agieren.

Simone Janson
Autor: Simone Janson

Simone Janson ist Journalistin (u.a.für ZEIT-ONLINE, Süddeutsche oder Financial Times) und Expertin für neue Formen der digitalen Arbeit am Institut für Kommunikation in soziale Medien in Berlin. Sie war Vortragende und Lehrbeauftragte an diversen Hochschulen oder für die Mobility Logistics AG und betreibt mit Berufebilder.de das führende deutsche Blog zu Bildung & neuen Arbeitsformen im digitalen Wandel.

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